Der Spartakusbund

Die "Gruppe Internationale" gehörte immer noch als "Partei in der Partei" der USPD an. Ihr Führer Karl Liebknecht war am 21.Oktober 1918 von der Regierung aus dem Luckauer Zuchthaus entlassen worden, wo er seit seiner Verurteilung am 23.August 1916 wegen Hochverrat inhaftiert war. Man hatte gehofft durch die Entlassung gegenüber den revolutionären Arbeitern als kooperativ zu wirken.
Am 23.Oktober war Liebknecht am Anhalter Bahnhof in Berlin angekommen und hatte, nachdem er stürmisch in Empfang genommen und auf einem Planwagen in einem kleinen Siegeszug zum Brandenburger Tor gefahren worden war, in den Sophiensälen des Handwerkerhauses seine erste Ansprache gehalten. Am 26.Oktober nahm er dann erstmals an einer Sitzung des Vollzugsausschusses der revolutionären Obleute teil und kehrte somit vollständig ins politische Leben zurück.
Rosa Luxemburg war erst am 10.November aus ihrer Haft in Breslau entlassen worden und hatte somit keinen Einfluss auf die Revolutionsvorbereitungen haben können.
Nach der Verhaftung von Luxemburg und Liebknecht hatte Leo Jogiches die Führung der Gruppe übernommen gehabt, die ihr geheimes Zentrum ab 1917 in einem Haus am Blücherplatz 2 hatte. Doch auch er war verhaftet und erst am 9.November durch die Demonstranten aus dem Moabiter Gefängnis befreit worden.
Wilhelm Pieck war bereits am 27.Oktober aus seinem holländischen Exil zurückgekehrt.

Am 9.November hatten die Spartakisten sich den "Berliner-Lokalanzeiger" erobert, indem nun unter redaktioneller Führung von Liebknecht und Luxemburg die "Rote Fahne" herausgegeben wurde. Doch schon am 10.November befahl Ebert, auf die Beschwerde des Besitzers eingehend, der Gruppe den besetzten Verlag zu räumen. Daraufhin legte Spartakus Einspruch beim Vollzugsrat ein, der Eberts Befehl revidierte. Schließlich musste man sich doch geschlagen geben, nachdem am 11.November die Setzer und Drucker sich gegen die Spartakusbesetzung ausgesprochen hatten.
Seit dem 18.November erschien die "Rote Fahne" dann regelmäßig in der "Verlags-Druckerei-Lehmann" in der Köpenicker Straße.

Ebenfalls am 11.November fand eine Sitzung der "Gruppe Internationale" im Berliner Excelsior Hotel statt. Hier wurde die offizielle Umbenennung in "Spartakusbund" vorgenommen und eine "Zentrale" gebildet, zu deren 13 Mitgliedern unter anderem Karl Liebknecht, Leo Jogiches, Wilhelm Pieck, Franz Mehring und Rosa Luxemburg gehörten. Jeder von ihnen erhielt einen eigenen Zuständigkeitsbereich: Jogiches die "Reichsorganisation", Pieck die "Organisation im Raum Groß-Berlin" und Käte und Wilhelm Duncker die "Organisation der Frauen und der Jugend".
Für die "Organisation der Soldaten" wurde, nachdem Liebknechts Versuch eine "rote Garde" zu bilden am 9.November gescheitert war, am 15.November "Der Rote Soldatenbund" gegründet, der unter der Leitung von Willi Budich und nach dessen Tod unter der von Karl Schulz stand und seinen Sitz in der Beusselstraße hatte.
Das Büro der Zentrale wurde in einer sieben Zimmer großen Etage in der Wilhelmstraße 114 eingerichtet. Jedoch wurde es bald in die Räume des ehemaligen russischen Telegrafenbüros in der Friedrichstraße 217 verlegt.
Bei der Tagung am 11.November wurde zudem beschlossen, weiterhin der USPD zugehörig zu bleiben und keine eigene Partei zu gründen, da man hoffte, die anderen USPD-Mitglieder so besser für die eigenen Ideen gewinnen zu können.

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