Das Militär in der Weimarer Republik

Nachdem die OHL die Aufgabe des "Grenzschutzes Ost" von den Alliierten erhalten hatte, verlegte sie ihr Hauptquartier am 12.Februar 1919 von Kassel, wo man seit der Räumung Belgiens residierte, nach Kolberg in Pommern.
Am folgenden Tag wurde Gustav Noske zum "Reichswehrminister" ernannt, allerdings war eine Reichswehr zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existent. So folgte am 6.März das "Gesetz zur Bildung einer vorläufigen Reichswehr". Vorläufig insofern, da man noch nicht absehen konnte, wie die Alliierten einer neuen Armee gegenüberstehen würden. Fest stand jedoch schon, dass man sich bei der Aufstellung dieser Truppe "der bewährten Kräfte bedienen (wolle), die langjährige Erfahrung gesammelt haben."
Gustav Noske am 25. Februar 1919 zitiert nach: Brunk, Willi; Dederke, Karlheinz; Neumann, Horst: "1918/19: Revolution in Deutschland?". Berlin 1976; Seite 53
, sprich die Freikorps sollten so weit wie möglich in die Armee zu integriert werden. Durch das Reichswehrgesetz wurde zudem die Existenz von Soldatenräten im Heer endgültig verboten
Die Freikorps bestanden neben den offiziellen Truppenverbänden aber weiter und entwickelten sich in eine immer radikalere Richtung.
So begannen Erich Ludendorff und Wolfgang Kapp bereits im Sommer 1919 damit, einen Plan für den Sturz der Regierung Ebert auszuarbeiten. Diese beschloss Ende Februar 1920 die aus inzwischen 5000 Mann bestehende, bei Berlin stationierte "Marinebrigade Ehrhardt" aufzulösen. Doch der seit Januar 1919 "kommandierende General aller Truppen in und um Berlin" General Lüttwitz widersetzte sich der Anordnung und marschierte stattdessen, unter Absprache mit Kapp, am 13.März mit der Marinebrigade durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Die Regierung musste nach Stuttgart fliehen, da die Reichswehr zum größten Teil nicht eine Unterstützung ablehnte. Im Kampf gegen die linken Revolutionäre war man bereit gewesen zur Waffe zu greifen um Schlimmeres zu verhindern. Aber nun galt es auf deutsche Soldaten zu schießen, die sich für eine Erneuerung des Militarismus einsetzten, also eigentlich für die eigenen Interessen. So ernannte sich Kapp mit der Unterstützung des Freikorps selbst zum Reichskanzler. (Flugblatt)
Nun kam aber doch Widerstand auf. Die Arbeiter standen nämlich im Gegensatz zu den Regierungssoldaten sehr wohl hinter der demokratischen Regierung und traten aus Protest gegen den Militärputsch zu hunderttausenden in den Massenstreik. Außerdem hatte Kapp das Problem, dass die Verwaltung seine Anordnungen nicht ausführte und sich unter dem Chef der Heeresleitung General von Seeckt eine Gruppe aus Militärs zusammengefunden hatte, die in einer rechtsradikalen Freikorpsherrschaft keine wünschenswerte Alternative zu Ebert sah.
Aus diesem Grund konnte sich Kapp nicht lange halten und musste am 17.März aus Berlin fliehen; sein Ziel war Schweden. Mit dem Abzug der Marinebrigade am gleichen Tag fand der "Kapp-Lüttwitz-Putsch" nach einer Woche sein Ende.
Nun brach die revolutionäre Bewegung vom November 1918 noch einmal durch: überall in Deutschland nahmen die Arbeiter den Kampf gegen die Freikorps auf, die immer noch das alte System verkörperten. Im Ruhrgebiet wurde sogar eine "Rote Armee" durch die USPD und KPD gegründet und in Sachsen und Thüringen bildeten sich "Selbstschutzvereinigungen", die das im November Erreichte in Zukunft vor Übergriffen der Korps verteidigen sollten.
Doch nach ihrer Rückkehr nach Berlin gelang es der Regierung schnell wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen, darin war man ja bereits geübt.

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