Die Märzkämpfe

In der ersten Märzwoche 1919 fanden in Berlin viele von der KPD organisierte Arbeiter-Demonstrationen statt, bei denen eine Auflösung der Freikorps und ein Ende der Terrorherrschaft der "weißen Garden" sowie eine Enteignung der Großindustriellen und Großgrundbesitzer gefordert wurde. Am 4.März traten die Eisenbahner in Berlin in den Generalstreik, was bei der Bevölkerung, die Angst vor einem Versorgungsnotstand hatte, Hamsterkäufe auslöste. Eberts Parolen hatten gewirkt. Doch viel zu hamstern gab es nicht: bei der Lebensmittelversorgung war inzwischen fast ganz Europa auf die Lieferungen aus Amerika angewiesen.
Tausende Arbeiter schlossen sich dem Streik an und die Forderungen aus den Novembertagen wurden erneut erhoben: Anerkennung der Arbeiter- und Soldatenräte, Freilassung aller politischen Gefangenen, Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Russland. Der Arbeiterrat fasste den Beschluss die Gas- und Elektrizitätsversorgung zu sperren, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, woraufhin die auch diesmal vertretenen SPD-Mitglieder aus der Streikleitung ausstiegen und zum Boykott der Aktionen aufriefen.

Im Gegensatz zum November kam es diesmal allerdings im Laufe der Demonstrationen zu heftigen Ausschreitungen, Plünderungen und Straßenschlachten mit dem Militär.
Daraufhin begannen Noskes Truppen am 6.März die Stadt von den "letzten revolutionären Elementen" zu säubern. Es wurde der Ausnahmezustand erklärt, der Telefonverkehr komplett gesperrt und Noske gab den Befehl heraus: "Jede Person, die mit den Waffen in der Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen."
Gustav Noske zitiert nach: Fischer, Ulrich: "Hundert Jahre revolutionäres Berlin". Berlin 1978; Seite 30
Dieser Anordnung wurde rücksichtslos Folge geleistet. Man setzte Artillerie, Minenwerfer und sogar Bombenflugzeuge ein, denen bis zum 16. März 1200 Menschen zum Opfer fielen. Zentren der Kämpfe waren das Polizeipräsidium am Alexanderplatz, die Bötzow Brauerei in der Saarbrücker Straße / Ecke Prenzlauer Alle und die Frankfurter Allee.
Am 10.März wurde die Volksmarinedivision endgültig durch die Regierung aufgelöst; nun konnte man die Aktion von Weihnachten nachholen. Am folgenden Tag wurden 300 ihrer Matrosen verhaftet, als sie sich in der Französischen Straße 32 ihre Entlassungspapiere und ihren Sold abholen sollten. 31 von ihnen wurden noch am Nachmittag ohne jeglichen Prozess erschossen.

Der sozialen Revolution, die sich letztendlich nur noch gegen den neuen Terror gewandt hatte, war während dieser "Berliner Blutwoche" endgültig ein brutales Ende gesetzt worden.

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