Die Gründung der KPD

Der Spartakusbund, der stets gegen die Zusammenarbeit mit der SPD gewesen war, übte nach den Weihnachtsunruhen verstärkt Druck auf die USPD aus, ihre Position zu ändern. Man sprach offen Kritik aus und forderte die Einberufung eines Parteitages bis zum 25.Dezember, doch wurde dies vom USPD-Vorstand abgelehnt.
Am 24.Dezember hatten sich zudem die "Internationalen Kommunisten Deutschland" (IKD), eine unter Johann Knief Ende November gegründete Organisation, nach Vermittlung durch den sich illegal in Deutschland befindlichen russischen Gesandten Karl Radek, dem Spartakusbund angeschlossen.

Am Vortag war in der "Roten Fahne" eine Einladung zur Reichskonferenz des Spartakusbundes erfolgt. In den einzelnen Bezirken sollten Delegierte gewählt werden, die dann an der Versammlung in Berlin teilnehmen sollten.
Am Morgen des 29.Dezember fand eine nichtöffentliche Sitzung der Spartakusführer im Berliner Abgeordnetenhaus statt. Man stimmte darin überein, dass man sich von der USPD trennen und selbst die am 29.November von Luxemburg in einem Artikel der "Roten Fahne" geforderte "sozialistische Partei, die der großen Stunde gewachsen ist"
Rosa Luxemburg zitiert nach: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): "Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution in Deutschland". Berlin 1968; Seite 284
bilden wolle. Die Kommission zur Namengebung entschied sich entgegen den Vorschlägen von Luxemburg und Jogiches, die das Kind "Sozialistische Arbeiterpartei" nenne wollten, für "Kommunistische Partei Deutschlands" (KPD).
Nachmittags nahm man dann gemeinsam an der Bestattung der Opfer der Weihnachtsunruhen auf dem schon bekannten Friedhof im Friedrichshain teil.

Tags darauf begann die Reichskonferenz zu der 83 Delegierte aus 46 Orten, zudem drei Vertreter des Soldatenbundes und 26 Gäste, angereist waren und die Spartakusführung teilte ihnen die Beschlüsse vom Vortag mit.
Ernst Meyer hielt die Begrüßungsrede. Ihm folgten als Referenten Karl Liebknecht, der über die "Krisis in der USPD" redete. Daraufhin wurde sofort der Beschluss zu einer Abspaltung und zur Gründung der KPD getroffen.
Nun sprach Paul Levi, der seine Meinung zu einer Teilnahme an der Wahl zur Nationalversammlung kundtat. Damit trat er eine große Diskussion vom Zaun: Rosa Luxemburg sprach sich, wie auch die Zentrale des Spartakusbundes, entschieden für eine Teilnahme aus um die "Tribüne der Nationalversammlung zur Beschleunigung der revolutionären Entwicklung"
Rosa Luxemburg zitiert nach: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): "Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution in Deutschland". Berlin 1968; Seite 292
auszunutzen. Doch schließlich stimmte man mit 62 zu 23 Stimmen dagegen. Selbst das Zentralbüro der SED bezeichnete dies später als "schweren Fehler"
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): "Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution in Deutschland". Berlin 1968; Seite 293
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Nach dieser Diskussion trat die IKD, vertreten durch Karl Becker, offiziell der KPD bei.
Als weitere Redner folgten Rosa Luxemburg, die über das am Vortag ausgearbeitete Programm der Kommunistischen Partei Deutschlands referierte, das danach einstimmig angenommen wurde, Hugo Eberlein, der ihre Organisation vorstellte sowie Paul Lange und Hermann Duncker. Laut ihm waren die Grundlagen der neuen Partei das Kommunistische Manifest und die Vorbilder die Bolschewiki.
Hiernach folgte nun die Solidaritätserklärung an Russland und die Überbringung revolutionärer Grüße durch Karl Radek.
Um Liebknecht, Meyer und Pieck noch mehr Zeit zu geben um mit den revolutionären Obleuten, "den besten und tatkräftigsten Elementen des Berliner Proletariats"
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.): "Illustrierte Geschichte der Novemberrevolution in Deutschland". Berlin 1968; Seite 300
, über einen Beitritt zu verhandeln, wurde die Reichskonferenz des Spartakusbundes, die nun zum Gründungsparteitag der KPD geworden war, noch um einen Tag verlängert. Doch die Obleute entschlossen sich bei der USPD zu bleiben.
So endete die Tagung am 1.Januar mit einem "Hoch auf die internationale, sozialistische Weltrevolution".

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